Über 300 Jahr Schulgeschichte in Gödenroth

Es ist üblich, nach einer gewissen Anzahl von Jahren ein besonderes Ereignis mit einem Jubiläum zu begehen. Im Jahre 1988 wird die neue Schule 25 Jahre alt. Das gibt Anlass, einen Rückblick auf Baujahr, Baugeschehen, vor allem aber auf den um diese Schule einsetzenden Kampf, ob Bestehen oder Auflösung, im Rahmen sich überstürzender Schulreformen, zu halten.

Nun aber hat das Schulwesen in Gödenroth nicht erst vor 25 sondern vor mehr als 300 Jahren begonnen, deshalb sollte man in gebotener Kürze auch diese Geschichte darstellen.

1608 wird berichtet, dass der damalige Pfarrer Apiarius in seinem Haus Kinder versammelte und sie im Lesen des Katechismus unterwies. Sein Nachfolger soll es auch noch getan haben. Der im Jahre 1618 ausgesprochene 30 jährige Krieg aber mit der Ausplünderung von Dörfern, Dezimierung der Bevölkerung und der Vertreibung von Pfarrern ließ diesen zaghaft begonnenen Unterricht bald eingehen. Erst 1693 erscheint in einer Gödenrother Kirchenrechnung eine Besoldungsausgabe für einen Schulmeister von etwas über 3 Gulden. Von da an gab es für die Kirchspielschule einen  dauernd angestellten Lehrer. Die Kinder der Kirchspieldörfer Heyweiler, Roth, Hollnich und Schnellbach kamen nach Gödenroth.

Der erste namentlich bekannte Lehrer war Johann Balthasar Duffing. 1739 gab man Ihm als Gehilfen Johann Christian Sommerland zur Seite, der von 1740 an fast 30 Jahre lang den Schuldienst versah. Bei Nachforschungen über die Familie Sommerlad entdeckte der ehemalige Lehrer von Heyweiler, Hajo Knebel, dass nachfolgende Pfarrer und Schulmeister, vor allem aber die zur Zeit lebende Königin Silivia von Schweden (geb. Sommerlad) auf diesen Lehrer in Gödenroth und seinen Sohn Karl zurück gehen.

Bei der grenzenlosen Armut dieser Zeit und den fortlaufenden Kriegswirren ist es nicht verwunderlich, dass man an allen Ecken und Enden sparen wollte, besonders aber an der Besoldung für den Lehrer, darum lagen sich Lehrer und Gemeinde ewig in den Haaren. Hätten die damaligen Schuldiener nicht auch das Küster-, Glöckner- und Organistenamt gehabt, es wäre ihnen übel ergangen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts allerdings stellten die Dörfer Heyweiler und Roth, um den Kindern den langen Schulweg zu ersparen, sog. Winterschullehrer ein, die von Martini bis Ostern unterrichten.

Diese Lehrer hatten keine Ausbildung. Sie rekrutieren sich zum Teil aus wandernden Handwerkern, die einiges von der Welt gesehen hatten und gut lesen und schreiben konnten. Es waren aber auch Söhne von lang gedienten Schulmeistern, die beim Vater das Handwerk des Schulhaltens erlernten und ihre Laufbahn zuerst als Winterschulleiter begannen. In Heyweiler war es 1776 ein Johann Peter  Petry, und in Roth unterrichtet Lehrer Blaufuß. Letzterer reparierte auch den Rothern die Kirchenorgel.

Das starke Anwachsen der Kinderzahlen im 19. Jahrhundert (1833:103 Schüler, 1869:144 Schüler) erforderte die Einstellung eines „Gehilfen“. Da nur ein Klassenraum vorhanden war, musste der Unterricht geteilt werden, am Vormittag für die Oberstufe, am Nachmittag für die Unterstufe.

1853 kam Lehrer Ebenau nach Gödenroth und versah dort 39 Jahre lang die Schulstelle. Ihm wurde für seine Verdienste der Hausorden der Hohenzollern verliehen.

1892 folgte Lehrer Adolf Conrad. Kurz Zeit später trennte man die Glöckner- und Küsterdienste, die sogenannten niederen Kirchendienste, vom Schulamt.

Um den etwa 30 Kindern den Schulweg nach Gödenroth zu ersparen, vor allem im Winter und bei schlechter Witterung, entschloss sich die Gemeinde Hollnich, eine eigene Schule zu bauen. Sie wurde 1908 in Betrieb genommen. Nun war die Schule in Gödenroth wieder einklassig. Die früheren Kirchenspieldörfer Heyweiler und Roth hatten schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts eigene Schulen.

Betrachtet man einmal die Liste der Lehrer, so waren es in knapp 200 Jahren 20 auf der ersten Stelle und mehr als 30 auf der zweiten Stelle, die oft eingerichtet und dann wieder weggenommen wurde. Hinzu kamen mehr als 10 Vertretungslehrer, die in Kriegs-, Vakanz- und Krankheitszeiten einspringen mussten.

Die Lehrer auf der 1.Schulstelle:

1693(?)    -    1740        Balthasar Duffing
1740        -    1768(70)  Johann Christian Sommerlad
1768(70)  -    1783        Peter Bernhard
1783                            Johann Abraham Schömel
1817                            Christian Schömel
1817        -    1852        Philipp Weiß
1853        -    1892        Ludwig Wilhelm Ebenau
1892        -    1897        Adolf Conrad
1897        -    1911        Jacob Wolf
1912        -    1927        Otto Hübner
(1921 – 1922 Fritz Kauer Vertretung)
1927        -    1929        Friedrich Zimmermann
1929                            Friedrich Müller
1929        -    1937        Adolf Schwabe
1937                            Georg Best
1937        -    1949        van der Woude (1940 – 45 Kriegsdienst)
1949        -    1953        Hans Hildebrand
1953                            Helmut Leonhard
1953        -    1954        Walter Krüger
1954        -    1960        Egon Wagner
1960        -    1963        Fritz Hoffmann

Die Lehrer auf der 2.Schulstelle in Gödenroth

1846                            Karl Weiß
1869        -    1873        Peter Ries
1874        -    1875        August Hammen
1875        -    1877        Heinrich Büttner
1877        -    1880        Ludwig Fuchs
1880        -    1881        Adam Meinhard
1881        -    1885        A. Spreuer
1885 (4 Monate)            Jakob Schwenk
1885        -    1886        Wilhelm Kehrein
1886        -    1889        Peter Sulzbacher
1889        -    1892        Karl Türk
1892        -    1897        Adolf Ostermann
1897        -    1900        Jacqumer
1900        -    1905        Ernst Gans
1905        -    1907        Fräulein Theis
1907        -    1908        Schöpper
1908 (2 Monate)            Linn
Durch den Weggang der Hollnicher Kinder wird die Schule in Gödenroth einklassig bis 1931.
1931 (7 Monate)            Becker
1932        -    1933        Marta Rech
1933        -    1935        P. Dieter
1935        -    1936        Kerwer
1935 (1 Monat)              Fräulein Dr. Jagenburg
1950        -    1952        Werner Nees
1952                            Frau Daub
1.6.1952   -    1959       Schule einklassig
1959        -                   Ingeborg Wagner


Schülerzahlen

Gödenroth mit Hollnich
1805        51                1951        60
1808        60                1953        35
1818        67                1955        49
1828        87                1957        56
1833        103              1962        66
1869        144              1963    neue Schule
1874        116              1966        48
1908        Hollnich        1967        53
eigene Schule              1970        50
1909        69                1971    5. und 6. Schuljahr nach
1920        78                    Kastellaun, Grundschulkinder
1925        39                    Braunshorn und Dudenroth
1928        43                    nach Gödenroth
1931        66                1971        54
1932        76                1979        54
1935        81                1980        43
1946        61                1987        51
1949        71                1988        50


Das alte Schulhaus

Im Jahre 1740 wohnten der Lehrer Sommerland und der pensionierte Lehrer Duffing gemeinsam im Schulhaus. Leider ist in den Kirchenrechnungen keine Nachricht über diesen Schulhausbau zu finden. Sicherlich aber dürfte er einige Jahre nach dem Pfarrhausbau (1708) und dem Wiederaufbau der Kirche (1720) nahe dabei entstanden sein.

1808 wird die Schule als „altes, kleines Häuschen bezeichnet, welches in einem so elenden Zustand sich befindet, dass man beinahe nicht darin wohnen kann. Die Schulstube ist klein.“ - 1826 steht in einem Bericht, dass in das alte Schulhaus ein neuer grosser Schulsaal getrennt von der Lehrerwohnung gebaut wurde, nur sei er zu nieder.

1909 erfolgt ein grösserer Umbau, man vergrössert die Säle durch Hinzunahme eines Teils der Lehrerwohnung. Da die Kinder bisher durch den Hausflur der Lehrerwohnung in die Klassenräume gehen mussten, schafft man einen Zugang vom Giebel her. Dazu muss die Zivilgemeinde ein Stück Land von der Kirchengemeinde erwerben. Sechs neue Fenster werden an der Nordostseite eingebaut und das Haus mit Schiefer beschlagen. 1912 wird die Schule mit neuen Bänken ausgestatte. Sie kosten etwas über 500 Mark.

Als 1920 die Schülerzahl auf 78 steigt, aber nur 76 Sitze vorhanden sind, muss Halbtagsschule eingeführt werden.

1930 verlegt man den Spielplatz für die Kinder weg von der Verkehrstrasse hinter die Schule, wo wiederum ein Stück Land von der Kirchengemeinde erworben wird.

Bei einem Lehrerwechsel 1932 erfolgt die totale Innenrenovierung des Schulhauses und der Lehrerwohnung.

1958 verlangte eine Schülerzahl von über 60 die Errichtung einer zweiten Lehrerstelle. Am 1.April 1959 tritt die apl. Lehrerin Ingeborg Wagner diese Stelle an. Mit ihrer Grundschulklasse muss sie in das Jugendheim einziehen, das 1932 aus der alten Pfarrscheune hergerichtet worden war. Sie schreibt in der Schulchronik: „Aus der alten Schule schleppte man die Viererbänke mit den Klappstühlen herbei. Wir verbringen dort oben unter dem Dach ein fröhliche Schulzeit, wenn es auch nicht ganz ungefährlich ist, zur Pause die steile Treppe hinunter zu müssen.


Der Schulhausneubau

Da dieser Zustand nicht auf Dauer bleiben konnte, beschloss der Gemeinderat am 3.März 1960 einen neuen Schulhausneubau mit zwei Lehrerdienstwohnungen. Dipl.-Ing. H. Oertel in Simmern sollte die Vorplanung übernehmen. Bereits Ende Mai legt dieser den Bauentwurf vor. Man nimmt ihn an und stellte einen Finanzierungsplan auf. Dieser sah 94.000 DM Eigenmittel und einen Zuschuss seitens der Regierung von 165.000 DM vor.

Am 16.Mai 1961 vergibt man die ersten Rohbauarbeiten und am 15. Januar 1962 die Innenarbeiten. Am 4.November des gleiche Jahres zieht die Oberstufe, die ihren Unterricht vorübergehend in das neue Gemeindehaus verlegt hatte, wieder in das alte Schulhaus zurück. Auch die Unterstufenklassen waren in der Zeit im Kindergarten des Gemeindehauses untergebracht.

Am gleichen Tag feiert man im Saale Peiter das Richtfest für den Neubau und bereits am 13.November, noch ehe die Arbeiten ganz abgeschlossen sind, zogen die Klassen der Oberstufe in den neuen Schulsaal ein, zwei Wochen später folgte die Grundschule.

Die Einweihung der Schule fand am 12. Januar 1963 mitten im Winter bei grimmiger Kälte statt. Wochenlang vorher hatten sich Kinder auf die Gestaltung dieser Feier vorbereitet.

Die Hunsrücker Zeitung berichtete in einer dicken Überschrift: „Gödenroths neue Schule wurde eingeweiht – Gäste aus nah und fern überbrachten Glückwünsche – Der Neubau kostete 261.000 DM – Ein Freudentag für die ganze Gemeinde.“

Die vor dem Haus vorgesehenen Programmpunkte mussten wegen der eisigen Witterung in die Klassenräume verlegt werden. Bürgermeister Laux erhielt von  Dipl.-Ing. H. Oertel den Schlüssel, und nach einigen Liedern und Gedichten, vorgetragen von den Schulkindern und den Singkreis Gödenroth, hielt Pfarrer Arnold die Weihrede. Grundlage dazu war das 28. Kap. aus dem Buch Hiob mit der Überschrift: „Das in der Natur Verborgene mag der Mensch ergründen, die Weisheit Gottes ist unergründlich; der Weg zu ihr ist Gottesfrucht.“

Pfarrer Arnold konnte nicht ahnen, welche Anfechtungen diese gerade neu gebaute Schule noch bestehen sollte, als er davon sprach, dass hier Generationen von Kindern für das ferne Leben vorbereitet und achtjährige Grundausbildung im Geiste Gottes von verantwortungsvollen Lehrern getragen werden solle.

Der Architekt führte nun die Gäste, an ihrer Spitze Landrat Rumetsch, Schulrat Schneider, Schulrat a. D. Montebaur und Amtsbürgermeister Scheib, durch die beiden Klassen- und Gruppenräume, wo ausgestellte Schülerarbeiten bewundert werden konnten. Man besichtigte den Keller, in dem ein Werkraum vorgesehen war, und danach die beiden Lehrerwohnungen.

Im Gemeindehaus setzte sich die Feier fort. Spiele der Kinder, Grußworte der Ehrengäste und Lieder des Singkreises, unter der Leitung von Frau Tipke, wechselten in bunter Folge.

Landrat Rumetsch beglückwünschte die Gemeinde, erläuterte die Finanzierung, und mit dem Wunsch, dass von der Schule Segen für alle Zeit ausgehen sollte, übergab er als Geschenk des Kreises Simmern einen Globus.

Schulrat Schneider lobte den Entschluss, eine zweiklassige, zwar kleine aber überschaubare Schule erbaut zu haben, in der jeder Lehrer vier Jahrgänge zu unterrichten habe. Hier sollten Kinder zur Heimatliebe und Weltoffenheit erzogen werden, zu wertvollen Menschen, die sich in einer kompliziert gewordenen Welt zurechtfinden können.

Zwischendurch reichte man Kaffee und Kuchen, während auf der Bühne Volkstänze aufgeführt wurden. Amtsbürgermeister Schreib sprach über die zwingende Notwendigkeit eines Schulhausneubaues für die Gemeinde. Er ahnte noch nicht, welcher Sturmwind an Neuorganisation und Zentralisierung bald das Schulwesen erfassen und die Existenz der gerade neu gebauten kleinen Dorfschulen bedrohen sollte, als er diesen Bau als den vierten im Amt Kastellaun, drei weitere im Bau befindlichen Schulen pries und weitere Neubauvorhaben in Aussicht stellte.

In dem Bericht der Hunsrücker Zeitung vom 16. Januar 1963 über die Einweihung hieß es zum Schluss: „So nahm die Einweihungsfeier einen netten und harmonischen Verlauf. In echter Dorfgemeinschaft verlebten Einwohner und Gäste frohe Stunden und dies mit Recht, denn auf dieses Werk kann die Gemeinde stolz sein. Mögen sich alle guten Wünsche zum Wohl der Schule und der Gemeinde Gödenroth erfüllen, damit auch in den folgenden Generationen stets gute Bürger aus dieser Schule heranwachsen.“